Smartphone, Schmartfon, Streichelfon

Sobjektiv

Eine kleine Geschichte des Smartphones

Das Smartphone: Manche bezeichnen es als „Volksdroge“, andere als „das größte Suchtmittel“ und wieder andere als „Teil unserer Gesellschaft“. Aber fangen wir mal ganz von vorne an, mit der Frage, wie es überhaupt in unseren Alltag gelangte: 1994 kam der von IBM entwickelte „Simon Personal Computer“ mit 23cm Länge und 500g (Über-)Gewicht auf den Markt. Man konnte damit telefonieren, faxen und mailen, dennoch blieb der „Simon“ erfolglos und wurde nach 6 Monaten vom Markt genommen.

Simon Personal Computer 1994

Später entwickelten Psion und Nokia gemeinsam das „Symbian“, ein Betriebssystem, was jahrelang das meistgenutzte seiner Art für Smartphones war und 2006 einen Marktanteil von 73% hatte. Dann, im Jahr 2007, erschien das „iPhone“ von Apple und markierte damit einen Wendepunkt in der Geschichte des Smartphones. Es gab neue Betriebssysteme wie „Android“ oder „Windows Phone 7“, die hauptsächlich über Touchscreen bedient werden konnten. Dadurch lag Symbian im Herbst 2011 gleichauf mit dem iPhone; ab da war dann das Android-System von Google das weltweit meistgenutzte. Heute (Stand 2019) haben Apple, Samsung und Huawei die größten Marktanteile mit insgesamt 50,4%.

Die Smartphone-Ära

2018 lag weltweit der Umsatz vom Verkauf von Smartphones bei 522 Milliarden (!) US-Dollar, der Absatz bei 1,4 Milliarden Stück. Der Unternehmensberater, Autor und Sprecher Maik Klotz sieht im Smartphone trotz dieser Zahlen keine Zukunft; in 10 Jahren sei die „Smartphone-Ära“ vorbei. „Unternehmen werden in Zukunft mobile Strategien brauchen, die nicht mehr nur auf das Smartphone begrenzt sind“, schreibt er in einem Kommentar. Das Gerät, in dem der Anwender die Lösung nutzt, sei nur noch ein Formfaktor. Aber stellen wir uns doch mal vor, wir hätten wirklich so etwas wie Tony Stark in IronMan: eine künstliche Intelligenz namens „Jarvis“ als digitalen Assistenten, der einem jeden Wunsch erfüllt. Freigegeben ab, sagen wir mal, 12 Jahren. In Deutschland besitzen ja eh schon 98% aller 12 bis 19-Jährigen ein Smartphone, 99% aller Haushalte sind mit einem Smartphone bestückt, warum also nicht? Weltweit gibt es mittlerweile (Stand 2018) ca. 3-5 Mrd. Smartphone-Nutzer, von 7,3 Mrd. Menschen- also knapp die Hälfte der Weltbevölkerung (und da sind die zusätzlichen Smartphones von Leuten, die mehr als ein Smartphone besitzen, noch nicht mit reingerechnet), warum also nicht? Weil etliche Forscher, Professoren und Wissenschaftler im Allgemeinen etliche Studien und Bücher mit Namen wie „Cyberkrank!“ oder „Digital Junkies“ herausgebracht haben und darin auf die vielen schädlichen Auswirkungen des Digitalen auf uns, unsere Gesundheit und Gesellschaft aufmerksam machen?

Wie schadet uns das Smartphone wirklich?

Laut einer Studie von 2014 sehen wir durchschnittlich 4 Stunden und 30 Minuten am Tag auf unser Smartphone; vorzugsweise in einer vorgebeugten Haltung, auch genannt: „Handy-Nacken“. Bei einer geraden, ausbalancierten Kopfhaltung wirkt dieser nur mit einer 4-5 kg schweren Belastung auf den Nacken. Aber schon ab einem Neigungswinkel von 15° verdoppelt sich diese Belastung. Das führt langfristig zu einer Überbelastung von Nackenmuskeln und Bandscheiben, Verspannungen und Kopfschmerzen sind die Folgen. Ärzte und Wissenschaftler raten zu Smartphonefasten, Haltungsänderung und Nackendehnen.

Aber nicht nur der Nacken hat unter der Smartphone-Sucht zu leiden: Auch die Lernleistungen von Schülern und Studenten verschlechtern sich mit steigender Smartphone-Nutzung. Eine Studie von 2019 hat ergeben, dass 97-99% aller Menschen in Deutschland zwischen 12 und 19 Jahren ein Smartphone besitzen und es täglich nutzen- und das nicht zu knapp: Durchschnittlich 150 x pro Tag schauen sie auf ihr Smartphone, lassen sich 150 x von dem, was sie gerade tun, ablenken. Tatsächlich gaben bei einer Umfrage an einer amerikanischen Universität nur 5,6% der Befragten an, während der Vorlesungen keiner zusätzlichen Aktivität nachzugehen, selbst wenn man Essen/Trinken herausrechnet. Alle anderen schrieben SMS (50,6%), waren auf Facebook unterwegs (24,7%), chatteten (13,2%), oder hörten Musik (6,5%). Manche erledigten nebenbei sogar Aufgaben für andere Lehrveranstaltungen. Dieses sogenannte „Multitasking“ würden sie sogar beim Lernen für wichtige Prüfungen mit einplanen; z.B. würden 21% der Befragten beim Lernen den Fernseher laufen lassen. Dabei ist es wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen nicht befähigt sind, Multitasking, also „das gleichzeitige verfolgen zweier Bedeutungsstränge“ zu betreiben. Das zeigt auch der Notendurchschnitt dieser Leute, der deutlich schlechter war als bei denjenigen, die keine Ablenkungen bei Vorlesungen und Lerneinheiten zuließen.

„In einer Reihe von Studien zeigte sich, dass insbesondere (…) die Nutzung von Facebook einen negativen Einfluss auf die Lernleistungen hat“

schreibt Bestsellerautor Manfred Spitzer in seinem Buch „Cyberkrank!“. Auch bei Schulkindern zeigt sich, dass Smartphonebesitzer durchschnittlich schlechtere Noten haben als Kinder, die keins haben. Doch schon 2017 hatten 67% aller deutschen Kinder im Alter von 10-11 Jahren ein Smartphone, bei 12-13-Jährigen waren es 87%.

Schlaf, Smartphone (-) Schlaf

Auch der Faktor, wann man sein Smartphone nutzt, hat Gewicht. Der Grund für Einschlafstörungen ist häufig der hohe Blaulichtanteil im Licht, das uns vom Smartphone-Display entgegenstrahlt. Dieses Licht bekommt unser Körper normalerweise nur mittags zu sehen, wenn der natürliche Blaulichtanteil am höchsten ist. Als Reaktion auf dieses Licht schüttet der Körper ein Hormon namens Melanopsin aus, was ungefähr das hier signalisiert: „es ist Tag, wir sind jetzt aktiv und schlafen nicht!“ Wenn man aber abends durch das Smartphone-Display diesem Licht ausgesetzt ist, der Körper also „denkt“, es sei Mittag und Melanopsin ausschüttet, sind Einschlafprobleme quasi vorprogrammiert, auch weil dieses Blaulicht (übrigens auch „Starklicht“ genannt) die Ausschüttung des „Einschlafhormons“ Melatonin unterbricht und so eine Aktivphase erzwingt. Da man aber am nächsten Morgen normalerweise früh aufstehen muss und den Schlafmangel nicht ausgleichen kann, ist man für den nächsten Tag „ unproduktiv und träge“ (R. Johnson, Chronobiologe). Abhilfe schaffen kann man mit sogenannten „Blaulichtfiltern“, aber es wird generell empfohlen, die Smartphone-Nutzung abends einzuschränken.

Die „Smartphone-Epidemie

Weltweit gibt es ca. 3 Mrd. Smartphone-Nutzer, deutschlandweit wurden 2019 23 Milliarden Stück verkauft, der Umsatz davon war 11,9 Milliarden €. Hierzulande nutzen von rund 80 Mio. Menschen 57 Mio. das Smartphone, jeder 10te hat einen Schaden schon einmal selbst repariert. Mit dem Shift-Phone gibt es jetzt auch eine umweltfreundliche Variante des Smartphones; vielleicht wollen Sie Ihrem Enkelkind eins zu Ostern schenken.

Shiftphone

-Aus dem Zeitungsprojekt der Pumas 2019 von J.M.T.

Quellen:

  • https://de.statista.com/statistik/daten/studie/173049/umfrage/weltweiter-absatz-von-smartphones-seit-2009/
  • https://de.statista.com/statistik/daten/studie/204666/umfrage/umsatz-mit-smartphones-weltweit/
  • https://de.statista.com/statistik/daten/studie/77634/umfrage/umsatz-mit-smartphones-in-deutschland-seit-2008/
  • https://de.statista.com/statistik/daten/studie/77637/umfrage/absatzmenge-fuer-smartphones-in-deutschland-seit-2008/
  • „Cyberkrank!“ von Manfred Spitzer
  • „Wake Up!“ von Peter Spork
  • „Digital Junkies“ von Bert te Wildt
  • Bildquellen:
    • https://i.telegraph.co.uk/multimedia/archive/03007/IBM-Simon-1994_-c_3007865k.jpg
    • https://www.watson.ch/imgdb/fee1/Qx,A,0,0,1306,946,544,394,217,157/231832022350826
    • https://tse2.mm.bing.net/th?id=OIP.0JXaGjW8TTtqwKX3p90CGAHaHa&pid=Api

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