Drucken in 3D

Reportage (sobjektiv)

Ich stehe vor einem Haus, das genauso aussieht, wie alle anderen hier in der Straße: einzigartig. Die Bienen im Beet nebenan haben sich, wie jedes halbwegs intelligente Wesen auch, vor den herunterpladdernden Regenmassen in ihren schützenden Bau zurückgezogen; nur ich stehe hier und klingele bei Familie Weber. Die Tür geht auf, und vor mir steht die Prinzessin des Hauses, in Jogginghosen und einem hübschen, gepunkteten Top. „Komm rein!“ Im Flur begegnet uns Frau Weber: „Ja, Karl, der ist bestimmt ansprechbar. Der sitzt vor’m Rechner“, antwortet sie auf meine Nachfrage. Denn ich bin nicht 30 Minuten durch den Regen gefahren, um ein nettes Pläuschchen zu halten. Ich will einen 3D-Drucker interviewen¹.

Besagter Drucker sitzt am PC, und hat bis jetzt noch nichts von seinem Glück gewusst. Trotzdem willigt er ein, meine Fragen zu beantworten. Als ich den Drucker² sehe, staune ich. So klein.

Interview mit Karl W.

(subjektiv; gekürzt)

ka:os: Das ist deiner?

Karl W.: Ja.

Woraus besteht der? So materialtechnisch?

Aus… Acrylplatten. Das ist das Schwarze, was du da siehst. Er besteht auch aus Metallstangen. Und Schrauben^^.

Und woher hast du ihn?

Den hab ich von einer befreundeten Familie geschenkt bekommen. Der Mann (…) hat sich einen neuen gekauft, und dann hatte er den übrig (…). Wir sind mit der Familie in Urlaub gefahren, und ich hab gesagt, dass ich einen 3D-Drucker brauche, und ob ich bei ihm was drucken kann, und da hat er gesagt: ‚ich hab da noch einen, den kannst du haben‘.

Und was ist das für ein Modell? Gibt es noch andere?

Ja, es gibt auch andere, das hier ist ein Anet a6.

Und wie teuer war der?

Ich glaube, der hat mal 100€ gekostet, der kostet jetzt, glaube ich, so 200€.

So billig? Ich dachte, die liegen preislich so in den Tausenderbereichen?

Es gibt auch so teure 3D-Drucker. Das hier ist ein „OpenSource“-3D-Drucker, sag ich jetzt mal; also, der Bauplan und so, das gibts alles irgendwo im Internet, da kann man sich den auch selber herstellen. Das hier war mal ein Bausatz, (…) deswegen ist der, glaube ich, auch so billig. Das war auch nur eine Nachmache von einem anderen Drucker, der noch teurer ist.

Und wie kommst du dazu, jetzt einen 3D-Drucker haben zu wollen?

Ich hab ein Projekt, wo ich ein Gehäuse mit einem 3D-Drucker drucken muss.

Aber wieso gerade mit einem 3D-Drucker; kannst du dir das nicht irgendwie anders herstellen?

Mit einem 3D-Drucker hat man halt den Vorteil, dass man sehr flexibel und sehr schnell sowas drucken kann; und wenn du dir vorstellst, dass man das zum Beispiel aus Holz machen kann, dann ist das schon sehr viel Arbeit, das auch von der Qualität so hinzukriegen. Und mit einem 3D-Drucker designt man das halt am Computer. Dann dann man das drucken, und dann ist das schon sehr gut und relativ billig.

Und wie funktioniert das Ganze, so allgemein?

Also, auf dem Computer benutzt man so eine 3D-Software, wo man modellieren kann; da kann man dann die Modelle erstellen, die man drucken will. Es gibt auch Online-Plattformen, wo man sich die Sachen runterladen kann, wenn man nicht unbedingt Lust hat, das Ding zu erstellen. Und dann gibt es eine Software, die heißt Slicer- also das ist eine Slicer-Software, die heißt anders- und die übersetzt dann dieses Modell in einen Code, den der 3D-Drucker versteht. Das heißt GCode, und im GCode wird einfach nur gesagt: ‚Fahre zu der Position, fahre zu der Position‘. Und dann führt der Drucker das einfach nur aus.

Slicer-Software

Also, du musst den Code nicht selber schreiben?

Nein, das macht die Software.

Und welche Materialien verwendet der Drucker?

Also, man hat hier solche Rollen, wo das Material aufgewickelt ist; das ist jetzt PLA, das ist so ein dünnes Band. Und da in der Mitte vom Drucker ist dieser Druckkopf, und da kommt das oben rein. Und dann wird das erhitzt; hier unten dran ist eine Düse, die wird heiß. Das sind 200°C für PLA, und damit schmilzt das PLA; das wird dann unten aus der Düse rausgedrückt, in einem dünnen Faden. Der Drucker fährt dabei, und damit baut der dann die Sachen.

Druckkopf

Aber das ist ja flüssig; braucht der da nicht so eine Art Rahmen oder Halterung, damit das Ganze nicht zerfließt?

So flüssig ist das nicht, das ist so ein bisschen zähflüssig. Und das kühlt auch relativ schnell ab.

Gibt es da viele Gestaltungsmöglichkeiten? Sind die irgendwie begrenzt?

Prinzipiell ist das nicht wirklich begrenzt, also es gibt Probleme, wenn man Überhänge druckt.

So brückenförmig?

Genau, das ist immer so ein bisschen problematisch. Das kann man nicht immer gut machen, deswegen muss man schauen, dass man die Bauteile so designt, dass sie nicht wirklich Brücken (/Überhänge) haben; und wenn sie Brücken haben, dass man da eine Stützstruktur einbaut. Der druckt dann quasi noch was dazu, dass dann nichts in der Luft hängt (…).

Und farbtechnisch?

Farbtechnisch hat man nicht wirklich Begrenzungen, es gibt viele Farben, was schon das Material an sich ist. Und dann kann man das Material noch anmalen, dann hat man überhaupt keine Begrenzungen.

PLA in verschiedenen Farben

Aber beim Druckvorgang an sich kann man keine Farbübergänge machen? Dass man zwei Spiralen oben reintut und der dann zum Beispiel abwechselnd rot und blau druckt?

Das gibt es auch, das ist dann bei teureren Druckern. Die haben dann zwei von diesen Köpfen- oder halt zwei Düsen in einem Kopf- und damit können die dann zwei Farben drucken.

Das ist dann aber wieder aufwendiger bei der Modellierung am Computer?

Ich glaube, das ist aufwendiger; ich hab mich damit noch nicht beschäftigt, weil ich ja nur eine Düse hab. Aber man kann in der Software einstellen, dass man zwei Düsen hat, und dann kann man das machen; in der Slicer-Software kann man das alles einstellen.

Und wie lange braucht so ein Teil, um gedruckt zu werden?

Lange. Also, ich hab jetzt nichts hier, wo ich explizit weiß, wie lange das jetzt gedruckt hat; aber der Drucker ist relativ langsam, was das Drucken angeht. Dann kann so ein Teil schon mal 12 Stunden oder so brauchen.

Was hast du bis jetzt so gedruckt?

Ich hab das Gehäuse gedruckt, von dem ich geredet habe; das ist das Größte, was ich bisher gedruckt habe. Und dann hab‘ ich noch für Herrn Basler was gedruckt, ich hab‘ dieses Schiffchen hier gedruckt, und noch ein bisschen Schnickschnack.

Und was willst du demnächst drucken? Hast du Vorstellungen, irgendwelche Projekte?

Ich werde das für Herrn Basler nochmal neu drucken, mit einem anderen Material, was ein bisschen besser für den Einsatz gemacht ist; und dann werde ich noch ein Gehäuse hierfür³ drucken. Das werde ich selbst designen, weil ich nicht denke, dass es da was im Internet gibt. Das sind so die nächsten Projekte.

Und den FlexiRexi zum Beispiel hast du auch aus dem Internet runtergeladen?

Ja.

Was machst du, wenn dein Drucker kaputt geht?

Teilweise kann ich da Sachen austauschen, aber bis jetzt ist noch nichts kaputt gegangen; ich hoffe einfach, dass nichts kaputt geht^^.

Nadann, hoffen wir mal. Vielen Dank für das Interview!

Gerne.

¹ Ich will den interviewen, der mit einem 3D-Drucker druckt, also einen 3D-Drucker.

²Hier wiederum meine ich tatsächlich das Gerät.

³(er hält mir eine kleine Festplatte hin)

Quellen:

  • Karl W.
  • https://www.comprise.de/3d-druck/slicer/
  • https://www.3d-grenzenlos.de/test/3d-drucker/anet-a6-testbericht/
  • https://www.chip.de/bestenlisten/Bestenliste-3D-Drucker–index/index/id/1111/
  • https://www.filamentworld.de/3d-druck-wissen/was-ist-pla/
  • https://www.3dmake.de/3d-druck-modelle-vorlagen/
  • Bildquellen:
    • J.M.T.
    • https://i.ebayimg.com/images/g/e8wAAOSwo-NZuCi7/s-l640.jpg

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