Gastbeitrag von Tom Friederich
Der ukrainische Skeleton-Fahrer Wladislaw Heraskewytsch sorgte schon zu Beginn der olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina für Aufsehen – und das nicht aufgrund seiner Leistungen, sondern aufgrund seines Helms.
Auf dem Helm des Ukrainers sind die Gesichter 20 ehemaliger ukrainischer Wintersportler abgebildet, die im Krieg mit Russland ihr Leben verloren haben. Nun wurde Heraskewytsch vom IOC von den Wettkämpfen ausgeschlossen. Grund dafür sei laut IOC die Untersagung von politischen Botschaften an den Wettkampfstätten während der Olympischen Spiele. Heraskewytsch wollte nicht auf das Tragen seines eigenen Helmes verzichten und lehnte auch Kompromissvorschläge seitens des IOC ab, stattdessen ausnahmsweise einen Trauerflor am Arm zu tragen. Für sein Engagement wurde dem Ukrainer vom Ukrainischen Präsidenten der Orden der Freiheit und damit die zweithöchste Auszeichnung des Landes verliehen. Gegen seinen Ausschluss will Heraskewytsch nun vor dem obersten Sportsgericht klagen. Für das olympische Komitee ist dieses Thema ein Drahtseilakt. Dem Neutralitätsgebot steht das Gebot des olympischen Friedens gegenüber. Eine Milderung der öffentlichen Empörung über diesen Vorfall bewirkte ein Interview der IOC-Chefin Kirsty Loventiy, die unter Tränen betonte, wie sehr sie sich für den Start des ukrainischen Athleten eingesetzt habe, ihr aber das Reglement keine andere Wahl lasse. Das IOC zeigte dadurch den starken Willen, das Neutralitätsgebot einzuhalten, konnte aber nicht verhindern, dass der Blick vom Sport auf die Weltpolitik abschweift. Die Maßnahme sorgte allerdings für wahrscheinlich noch mehr Aufsehen als ein Start des Ukrainers erregt hätte. So wurde ein Skandal produziert, der das IOC einmal mehr in ein schlechtes Licht rückt.
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