Zeugnisvergaben im Hause Kaleidoskop- 9er und 10er

Subjektiv

Ich war ja ewig nicht mehr in Betrieb- nicht gestimmt und total eingerostet, steif und aus der Übung, als man mich von meinem Lederkleide befreite und mich ein Mädchen und dessen Schulleiter aus prüfenden Augen kritisch anstarrten. Ich wusste nicht, wie mir geschah und habe fast einen Schlaganfall gekriegt, als das Mädchen plötzlich ihre Finger in meine Tasten haute. Verständlicherweise kam so auf die Schnelle nichts Brauchbares dabei heraus, und das blieb natürlich nicht unbemerkt. „Ist nicht so toll gestimmt… Aber es geht.“ Peinlich. Aus dem weiteren Gespräch der beiden konnte ich ableiten, dass ich wohl in geraumer Zeit bei einem Vorspiel anlässlich der Zeugnisausgaben von irgendwelchen 9ern, 10ern und Abiturienten aktiv werden würde. Ohgottohgottohgott… Abiturienten!

Am ersten der beiden Abende stand ich in der hintersten Ecke der Mensa und zitterte wie Espenlaub. Was, wenn ich mich verspielte? Was, wenn ich die falschen Töne anschlug? Wenn dann anstatt eines F ein Gesses draus wurde?! Nicht auszudenken! Meine Spielpartnerin versuchte, mich diesbezüglich mit den Worten „Wenn hier einer Fehler macht, dann bin das immer noch ich!“ zu beruhigen, und es hat immerhin ein wenig geholfen.

Bei den Neunern war es sehr angenehm. Kleine Runde, schöne Rede (wie immer), ein Klavier in der Ecke, anschließend Getränke und Süßigkeiten… Läuft. Als dann nach einer guten halben Stunde die meisten weg waren, begann das große Stühlerücken. Alte Stühle mussten beiseite rücken, neue Stühle mussten in die so entstandenen Lücken rücken, und alles wurde dann noch einmal kritisch bewertet und ins rechte Licht gerückt, bis zumindest ansatzweise der Mindestabstand gegeben war. Und natürlich wurde bei jeder Phase ausgiebig gezählt, und zwar alles mögliche: Stühle, Gäste, Blumen… Nur durcheinanderkommen durfte man nicht, denn sonst ging die Zählerei mit anschließendem Nachrücken von vorne los.

Foto: N. Westerboer

Und dann kamen die 10er. Es waren tatsächlich nicht so viele, wie erwartet (im Nachhinein hätte man sich so einiges Rücken, Zählen und Nachrücken ersparen können…), aber doch schon mehr als vorher. Also: größere Runde, längere Rede- ich weiß nicht, ob es da eine Parallele gibt. Hier wurde noch einmal alles wieder ans Licht geholt, was von den betroffenen Teenagern sorgfältig verdrängt worden war, aber einiges hat sogar mich erstaunt. 7 Runden in 3 Minuten, Mensch Ava!

Foto: N. Westerboer

Bei den 10ern hat dann auch noch die liebe Sophie eine kitschige Rede gehalten; vom groben Aufbau her hat sie mich stark an eine ähnliche Rede bei einer Jugendweihe im letzten Jahr erinnert. Komisch, komisch… Aber es sind ja Worte, die zu recht immer wieder gesagt werden und eine*r muss es ja machen…

„Vergiss nie: über den Wolken scheint immer die Sonne.“

Aus Sophies Rede- unbekannter Autor

Nach der Rede gab’s dann die Zeugnisse. Wegen Corona mussten die Schüler in Vierer- bzw. Fünfergruppen antanzen, und das war zumindest für Johannes Ramm ein großes Glück. Meine Herrn, der Junge hat ein Timing! Unbestreitbar grandios und nicht zu toppen erschien er leise und diskret eine halbe Stunde nach Veranstaltungsbeginn, setzte sich auf seinen Stuhl und schaffte es gerade noch, seine Jacke auszuziehen, bevor er auch schon aufgerufen wurde. Fragt sich nun, ob der Herr Sühnel ihn eigentlich vorher eingeplant hatte, aber dann zwangsläufig nach hinten verschieben musste. In diesem Falle hätte die arme Ava, wenn Johannes pünktlich gewesen wäre, vielleicht nicht als einziges Mädchen neben 4 Jungs im Hemd ihr Zeugnis entgegennehmen müssen. Man wird da ja fotografiert. Anschließend bekam Frau Schmeiser noch eine kleine Überraschung und alle durften sich zu den Getränken und Süßigkeiten begeben. Insgesamt ein sehr entspannter Abend.

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