New York zu Besuch im Klassenzimmer

(ein Artikel von Hannah Braun, 12. Klasse)

Die Woche vor Weihnachten war für den Englisch-eA-Kurs (erhöhte Anforderungen) keine gewöhnliche Woche. Denn es kam Besuch: Christopher Forlini aus New York bzw. von der Universität Erfurt besuchte den Kurs am Mittwoch, dem 17.12.2025, stellte sich vor, erzählte von seiner Arbeit und beantwortete Fragen der Schüler zu verschiedenen Themen. Für diese Stunde rückte der Unterrichtsaspekt in den Hintergrund, und es wurde eine vorweihnachtliche Atmosphäre mit Kinderpunsch, Keksen und Lebkuchen geschaffen.

Christopher kommt ursprünglich aus Brooklyn, New York, und kam für einen Auslandsaufenthalt nach Deutschland. Jedoch wurden aus einem Semester schließlich 26 Jahre. Er unterrichtet als Uni-Dozent an der Universität Erfurt Englisch und American Studies. Außerdem beschäftigt er sich mit den Ereignissen, die am 17. Juni 1953 (Entwicklung eines Arbeiteraufstands) stattfanden, und forscht dazu. Er war als Gastlektor bereits zu Gast im Thüringer Landtag anlässlich des 17. Juni 1953. Seine besondere Leidenschaft ist Jazz, speziell der amerikanische Jazz-Trompeter und Sänger Louis Armstrong. Infolgedessen organisiert er Konzerte und Jazzabende und forscht zur Rezeption amerikanischer Jazzmusik in der DDR.

Im weiteren Verlauf der Stunde berichtete Christopher auch über aktuelle gesellschaftliche und politische Themen aus seiner Heimatstadt New York City. Dabei waren die Schüler besonders an dem vergangenen Rennen um die Wahl des Bürgermeisters in New York interessiert, denn kurz zuvor hatten sie sich im Unterricht mit dem Thema befasst und einen interessanten Vortrag eines Mitschülers dazu erhalten. Angetreten waren Zohran Mamdani (Demokrat), Andrew Cuomo (Unabhängig) und Curtis Sliwa (Republikaner). Die Wahl fand im November 2025 statt, und Zohran Mamdani wurde in der Folge als neuer Bürgermeister gewählt und trat sein Amt am 1. Januar 2026 an- übrigens mit einigen Rekorden im Gepäck: er ist der erste muslimischer Bürgermeister und leistete den Amtseid auf den Koran, er ist der erste Bürgermeister mit südasiatischen Wurzeln in der Geschichte der Stadt und mit 34 Jahren der jüngste Bürgermeister von New York City seit über einem Jahrhundert.  Eine überraschende Information von Seiten Christopher war, dass er zwei der drei angetretenen Kandidaten persönlich kennt und sogar mit einem verwandt ist. Denn mit Cuomo ist er über ein paar familiäre Ecken (Stiefcousin) verwandt.

Weiterhin erklärte Christopher, dass viele Amerikaner keinen Personalausweis besitzen, da der Führerschein in den USA als wichtigstes Ausweisdokument gilt. Wer keinen Führerschein hat, besitzt entweder einen Reisepass oder – sofern er nicht ins Ausland reist – teilweise gar kein offizielles Ausweisdokument. Diese Information war für viele Schüler neu und die Vorstellung für sie kaum nachvollziehbar, sodass sie sich fragten, weshalb den Bürgern der USA keine Personalausweise ausgestellt werden, wie es in Deutschland üblich ist. In diesem Zusammenhang stellten sie auch die Frage, wie man ohne gültiges Ausweisdokument wählen gehen kann. Christopher erklärt, dass in einigen Bundesstaaten eine im System hinterlegte Unterschrift ausreicht, um wählen zu gehen, während in anderen ein Ausweisdokument erforderlich ist. Auch er selbst hat an der Bürgermeisterwahl in New York City teilgenommen, obwohl er in Deutschland lebt.

Auch über seinen familiären Hintergrund in New York berichtete Christopher. Er hat, wie der Nachname bereits erahnen lässt, italienische Wurzeln, denn seine Großeltern waren von Italien in die USA ausgewandert. Sein Großvater Francesco und sein Vater „Big Joe“ hatten mit dem in New York bekannten Restaurant „Forlini’s“ in Manhattan ein sehr beliebtes italienisches Restaurant, das seit 1956 bestand. Dieses kam in der bekannten Serie „Law and Order“ vor; in einer Folge war sogar „Big Joe“, Christophers Vater, zu sehen. Es war bekannt für die klassische italienisch-amerikanische Küche und echtes Old-School-Little-Italy-Flair und galt als eines der letzten „Red-Sauce-Joints“, also traditionsreicher italienisch-amerikanischer Restaurants mit familiärer Atmosphäre und typischen Gerichten wie Pasta mit Tomatensoße („One of Manhattan´s Oldest Red-Sauce Favorites“). Das Vogue-Magazin ließ im Jahr 2017 dort die Pre-Met-Gala stattfinden.

Ein weiteres hochaktuelles Thema in New York sind die Lebenserhaltungskosten und die Kosten für das Gesundheitssystem. Christopher rechnete den Schülern die Kosten seiner Schwester, die in New York lebt, vor. Die Summe an Geld, die fast monatlich ausgegeben wird, überraschte viele. Dass das Gesundheitssystem in den USA überarbeitungswürdig ist, ist jedem bekannt. Es aber dann direkt gezeigt zu bekommen, dass die Familie zunächst 7.000$ für medizinische Behandlungen selbst zahlen müsste, bevor dann die Versicherung einspringt, ist in Deutschland unvorstellbar. Der monatliche Beitrag für die Krankenversicherung beträgt außerdem ca. 1.600$, Zahn- und Augenbehandlungen werden nicht übernommen.

Neben aktuellen Themen wie Lebenserhaltungskosten und Gesundheitssystem sprach Christopher auch über prägende Ereignisse der jüngeren amerikanischen Geschichte, die seine Familie direkt betroffen haben- darunter der verheerende Terroranschlag am 11. September 2001. Christophers Onkel war damals ein „First Responder“. Zum Glück aller kamen er und sein Team zu spät zum Einsatzort, da ein Kollege noch kurz auf der Toilette war und alle daher warten mussten. Dadurch wurden sie von dem schlimmsten der Katastrophe bewahrt, von den Trümmern des Turmes verschüttet zu werden. Nichtsdestotrotz,  wurde Christophers Onkel vor Ort durch die starke Staubwolke der Türme schwer verletzt und hatte mit vielen Folgen dessen zu kämpfen- er entwickelte unter anderem durch das Einatmen des Staubes eine schwere chronische Lungenkrankheit. Durch diesen Schicksalsschlag musste er in Frührente gehen und lange kämpfen, um eine Vergütung von der Regierung zu bekommen.

Diese besondere Englischstunde war für die zwölfte Klasse ein echtes Highlight. Die Schüler hatten die seltene Gelegenheit, über viele Themen zu sprechen, die normalerweise im Unterricht nur kurz oder gar nicht behandelt werden, und konnten ihre Fragen direkt an einen Experten richten, der als echter Amerikaner aus eigener Erfahrung über Politik, Gesellschaft und Kultur in den USA berichtete. Gleichzeitig konnten die Schüler ihre Englischkenntnisse praktisch anwenden: Schon vor und nach der Stunde tauschten sie sich mit Christopher aus, während der Unterricht selbst interaktiv gestaltet war, und Christopher dabei sehr auf die Fragen und Interessen der Schüler einging.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Christopher, dass er sich die Zeit genommen hat, um an unsere Schule zu kommen.

Christopher Forlini zu Besuch im Englisch eA-Kurs
(Quelle: eigene Aufnahme)
Christopher Forlini im Gespräch mit dem eA-Kurs

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