ACHAVA Schülerforum – Begegnungen mit Zeitzeugen und jüdischer Musik im Thüringer Landtag

Am 5. Oktober 2026 hatten die Schülerinnen und Schüler der Klassen 10a und 10b/11s die Gelegenheit, am 8. ACHAVA-Schülerforum im Thüringer Landtag in Erfurt teilzunehmen. Nach der Ansprache des Thüringer Landtagspräsidenten Dr. Thadäus König sprachen auch zwei Überlebende der Shoah zu rund 300 geladenen Schülerinnen und Schülern aus ganz Thüringen. Anschließend fanden verschiedene Workshops und Vorträge statt. Die Schülerinnen und Schüler unserer Schule nahmen an einem Vortrag von Lady Milena Grenfell-Baines teil.

Die heute 97-Jährige war eines von mehr als 600 Kindern, die 1938 von dem Briten Nicholas Winton gerettet wurden. Er organisierte einen Kindertransport von Prag nach London. Besonders bewegend waren ihre Erinnerungen daran, wie sie im Alter von neun Jahren gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester am Bahnhof zum letzten Mal ihre Mutter sah. Sie berichtete von der Machtübernahme der Nationalsozialisten in der damaligen Tschechoslowakei und von der Gefahr, die von ihnen ausging. Außerdem sprach sie davon, dass der Mut eines einzigen Mannes ihr und weiteren Kindern das Überleben trotz der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ermöglichte.

„Der ewige Ruf – das Schofar“ – Gespielt wurde das Schofar – ein Instrument aus Antilopenhorn – von Bar Zemach. Er ist Hornist und weltweit der einzige Schofar-Spieler, der komplexe Melodiefolgen hervorragend spielen kann. Prof. Dr. Jascha Nemtsov begleitete ihn am Flügel. Der Klang des Schofar war sehr bewegend.

Eindrücklich war auch der Vortrag des Pianisten Prof. Dr. Jascha Nemtsov. Er stellte das Schicksal berühmter europäischer jüdischer Komponisten des 20. Jahrhunderts vor, darunter beispielsweise Arthur Vincent Lourié, Władysław Szpilman und Alexander Weprik, die während des Nationalsozialismus und Stalinismus verfolgt wurden. Seit vielen Jahren sucht er in Archiven weltweit nach den Werken dieser Musiker und Komponisten, um sie wieder aufzuführen. Im Plenarsaal ließ er ihre Stücke am Flügel erklingen.

Die ACHAVA Festspiele Thüringen sind ein jüdisch-interkulturelles Festival, das seit 2015 jährlich im Herbst in ganz Thüringen stattfindet. „Achava“ stammt aus dem Hebräischen und bedeutet Brüderlichkeit. Das Festival möchte die interreligiöse und interkulturelle Verständigung fördern.

Der Mitteldeutsche Rundfunk hat einen Beitrag gedreht, dort kommen Len und Tim im Interview zu Wort. MDR Beitrag zum Anschauen – einfach rein klicken.

Ich war am Montag im Thüringer Landtag beim ACHAVA-Schülerforum. Der Anlass des Schülerforums ist der stark wiederkehrende Antisemitismus in Deutschland, welcher durch Kriege, Querdenker und Extremisten gezeigt wird. Doch der Antisemitismus hat auch eine starke Bedeutung aus der Vergangenheit, wie z. B. im 20. Jahrhundert. Besonders gefallen hat mir der Vortrag über jüdische Pianisten, den Prof. Nemtsov hielt. Er setzt sich für die Wiederkehr der jüdischen Musik ein. Er hat uns Pianisten gezeigt mit einem tragischen Leben, deren Musik in Vergessenheit geraten ist. Doch Prof. Nemtsov hat sich sehr informiert, um die Lieder und Pianisten wieder der Welt zu präsentieren. Ein Lied, was mir sehr gefallen hat, ist „Walzer“ von Arthur Vincent Lourié. Besonders berührt hat mich die Geschichte von Lady Milena Grenfell-Baines. Mit erst 9 Jahren musste sie mit ihrer jüngeren Schwester fliehen, durch den Zweiten Weltkrieg, ohne ihre Eltern. Es gab einen Mann, der sich stark dafür eingesetzt hat – nämlich Sir Nicholas Winton. Dieser Mann hat einen Kindertransport mit dem Zug nach England organisiert und sie damit vor den Nazis gerettet. Diese Kinder, darunter auch Lady Milena Grenfell-Baines, wurden in Gastfamilien aufgenommen. Dort konnten sie eine gute Kindheit erleben. Besonders in Erinnerung ist mir geblieben, wie die Frau davon erzählt hat, ein Schild mit ihrem Namen getragen zu haben, damit man weiß, wer sie ist. Genau dieses Schild hatte sie auch bei ihrem Vortrag dabei. Einfach dieser Gedanke, dass ein 9-jähriges Kind mit ihrer kleinen Schwester von ihrer Familie in Tschechien getrennt wird, ist so unvorstellbar und hat mich echt zum Nachdenken gebracht. Durch Sir Nicholas Winton konnte so vielen Kindern geholfen werden, weil er etwas unternommen hatte und nicht nur zugesehen hatte. Deshalb nehme ich mit, Taten sagen mehr als Worte und dass man den Unschuldigen immer helfen sollte, wie den Kindern in diesem Fall. Ich würde den ACHAVA-Workshop auf jeden Fall weiterempfehlen. Durch das Zeitzeugengespräch hatte man einen tiefen Einblick in die Zeit des Nationalsozialismus. Durch den Vortrag sind wir Zweitzeugen und müssen diese Geschichte auf jeden Fall weitererzählen, damit jeder weiß, wer Nicholas Winton ist und dass die NS-Zeit Schlimmes mit sich brachte. (Emma)

Bildrechte: N. Gimper

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