by Sidra Alsatof
Meine Schwester wurde angespuckt. Meiner Mutter wurde auf offener Straße gewaltsam der Hijab abgenommen. Meine andere Schwester wurde als „Schwein“ bezeichnet. Und ich selbst wurde immer wieder in der Bahn und auf der Straße böse und abwertend angeschaut.
In der Schule habe ich erlebt, dass ich bei Arbeitsgruppen oft als Letzte gefragt wurde. Wenn ich etwas sagen wollte, hatte ich manchmal das Gefühl, dass mir nicht richtig zugehört wird oder meine Meinung weniger zählt. Oft hatte ich das Gefühl, dass Menschen zuerst mein Aussehen, meine Herkunft oder meinen Glauben sehen und erst danach mich als Menschen.
Das sind Erfahrungen, die verletzen. Und sie zeigen: Rassismus ist nicht nur etwas, das irgendwo weit weg passiert. Rassismus kann uns jeden Tag begegnen.
Rassismus zeigt sich nicht immer durch offene Beleidigungen oder Gewalt. Manchmal steckt er in einem abwertenden Blick, einem Vorurteil, einem Witz, einer Ausgrenzung oder darin, dass jemand wegen seines Namens, Aussehens, Glaubens oder seiner Herkunft anders behandelt wird.
Menschen mit Migrationshintergrund erleben solche Situationen immer wieder. Sie werden unterschätzt, nicht ernst genommen, ausgeschlossen oder gar nicht erst nach ihrer Meinung gefragt. Manche müssen sich ständig beweisen, während andere einfach akzeptiert werden. Das kann dazu führen, dass man sich irgendwann fragt: Bin ich hier überhaupt willkommen? Gehöre ich dazu?
Besonders schlimm ist, dass solche Erfahrungen nicht einfach nach einer einzelnen Situation verschwinden. Sie können einen Menschen lange beschäftigen. Wenn man immer wieder das Gefühl bekommt, anders behandelt zu werden, kann das Selbstvertrauen darunter leiden. Man zieht sich vielleicht zurück, sagt seine Meinung nicht mehr oder versucht, möglichst wenig aufzufallen.
Dabei sollte niemand das Gefühl haben, sich verstecken oder verändern zu müssen, um akzeptiert zu werden. Wir brauchen mehr Aufklärung über Rassismus – gerade in der Schule. Denn Schule sollte ein Ort sein, an dem jeder Mensch unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Aussehen respektiert und gehört wird. Wir sollten nicht wegschauen, wenn jemand beleidigt, ausgegrenzt oder verletzt wird. Wir sollten den Mut haben, etwas zu sagen, zuzuhören und füreinander einzustehen.
Rassismus verletzt. Rassismus grenzt aus. Und Rassismus nimmt Menschen die Chance, sich frei und sicher zu fühlen. Wir können nicht jede Meinung und jedes Vorurteil eines anderen Menschen kontrollieren. Aber wir können entscheiden, wie wir selbst miteinander umgehen.
Deshalb sollten wir mehr miteinander reden, statt übereinander zu urteilen. Wir sollten Menschen kennenlernen, statt sie nach ihrem Aussehen zu beurteilen. Denn hinter jedem Gesicht steckt ein Mensch mit einer Geschichte, mit Gefühlen, Träumen und Hoffnungen.
Und jeder Mensch verdient es, gesehen, gehört und respektiert zu werden!
Beitragsbild: Racism is not opinion, by pexels

